
Henry-Martin Klemt
wurde 1960 in Berlin geboren. Er lebt in Frankfurt (Oder), ist Lyriker, Liedtexter, Nachdichter, Herausgeber, Text- und Bild-Journalist.
Nach der Ausbildung zum Facharbeiter für Drucktechnik, Arbeit als Offsetkopierer und Armeezeit erwarb er 1985 den Hochschulabschluss Literatur am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig.
Er war kulturpolitischer Mitarbeiter im VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder), freier Schriftsteller, Feuilletonredakteur einer Tageszeitung, freiberuflicher Journalist Redakteur.
Vor dem aktuellen Band „Ausgewaschene Nacht“ publizierte Klemt zwölf Bücher, darunter zehn Lyrikbände. Gedichte von ihm wurden bislang in sieben europäische Sprachen übersetzt. Neben Auszeichnungen in Deutschland erhielt er einen Preis des Festivals Internazionale de Poesia 1997 in Genua.
Klemt arbeitet als Texter mit Musikern wie Frank Viehweg, Thomas Strauch und George Leitenberger sowie Bands wie Die Zöllner, Die Steinlandpiraten und Thomas Rühmann & Band zusammen.
Klemt tritt bei Lesungen allein oder begleitet von seiner Frau Rita Klemt (Tenorsaxophon) auf.
Gemeinsam bilden die Beiden das kleinste Trio der Welt, denn unter ihrem Mädchennamen Rita Mahlendorf schreibt und publiziert Rita Klemt Lyrik und Prosa.
Die gemeinsamen Programme stehen unter dem Label „Poesie und Saxophon“. Ihr aktuelles, immer in Veränderung begriffenes Programm heißt „Heimatkunde“.
(Booking unter https://www.hmklemt.de)
Klemts Lyrik singt von Liebe, Hoffnung und der Zerbrechlichkeit des Lebens.
Henry-Martin Klemt schafft eine Bild- und Erfahrungswelt, die dem Leser Raum gibt zum Träumen, in der einem aber auch ein Schauer über den Rücken laufen kann – von der Klarheit der Erkenntnis, von Schönheit und Anmut oder auch durch die überraschenden Wahrhaftigkeiten seiner Bilder.
Er kann über die Liebe singen, die sein Leben erfüllt, ohne die Schrecklichkeiten der Welt auszublenden.
Er kann über die Schrecklichkeiten der Welt singen, ohne die Liebe loszulassen.
Der Text entsteht aus der Gleichzeitigkeit von Schönheit und Verzweiflung.
Es geht nie um das eine oder um das andere.
Strenge und Weichheit, Zärtlichkeit und Trotz.
So übt der Dichter den Schulterschluss mit den Liebenden, den Schwachen und den Hoffenden - poetisch, kraftvoll und unerschrocken.
MORIO VERLAG
BRANDENBURG
Heimat ist blau und grün.
In ihre Seen legt sich der Himmel
zur Ruhe. In ihren Flüssen
schwimmen die Tage zum Meer.
In ihren Wäldern liegen Schätze
vergraben. Kindheit rauscht
in den Kronen. Weil ich nicht
fliegen kann, singen die Vögel,
was auf den Feldern geschieht.
Die Menschen hier kommen
und gehen, wie das Wild
sich durchs Unterholz schlägt,
und sie vergessen so viel, verlieren
den Boden unter den Füßen
und finden ihn wieder, ganz
von Schlaf durchtränkt. Morgens
sind alle Brücken verschwunden
im Nebel. Morgens sind alle
Länder ein Land, die Messer
liegen bereit und warm
ist noch immer
das Brot.
HENRY-MARTIN KLEMT
April 2016
(aus: AUSGEWASCHENE NACHT, mdv 2025)
