Elke Hübener-Lipkau

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Elke Hübener-Lipkau

 

 

Wiedergeburt

 

Aus der Schale des Nautilus

wird der Mond stets neu geboren

und die grauen Falter fliegen,

strömen wie ein dunkler Fluss

lautlos seinem Licht entgegen.

Wieder hab ich mich verloren,

bleibt die Haut am Ufer liegen,

gehe ich, um neu zu leben.

 

 

 

Lilith (für die Frauen dieser Welt)

 

 

Lilith kommt oft, wenn niemand sie wollte.

Lilith bleibt, auch wenn keiner sie braucht.

Lilith geht, wenn sie hier bleiben sollte,

doch ihr Zorn ist schnell wieder verraucht.

 

Lilith träumt in den taghellen Stunden.

Lilith spricht, auch wenn sonst alles schweigt.

Lilith rührt gern in offenen Wunden

und sie nervt, weil sie ungerührt bleibt.

 

Lilith lächelt, wenn andere weinen.

Lilith singt noch in dunkelster Gruft.

Lilith lügt, damit andre nicht leiden,

doch sie liebt die verbotene Frucht.

Lilith kann wie kein anderer glühen.

Lilith hat jedes Glücksspiel probiert.

Lilith will wie die Wildgänse ziehen,

wenn sie tanzt, wird ein jeder verführt.

 

Lilith schweigt, wenn die Sorgen sie quälen.

Lilith flüchtet, wenn sie sich verliebt.

Lilith will nicht auf andere zählen,

auch wenn sie manches Mal unterliegt.

 

Lilith wurde im Himmel verstoßen.

Lilith hat manchen Auftritt vergeigt.

Lilith hat deshalb listig beschlossen,

dass sie sich nur noch stückweise zeigt.

 

Lilith würfelt und schüttelt den Becher.

Jede Frau hat ein bisschen von ihr.

Prüft euch selbst, ob nun stärker, ob schwächer,

und bedankt euch bei Lilith dafür.

 

 

Ode an den Herbst

 

 

Nur zögernd weicht das Grün den bunten Farben.

In stillen Winkeln liegt verschämt ein erstes Laub.

Auf leeren Feldern rasten Gänsescharen.

Der Igel hat sich schon ein Nest gebaut.

 

Bezähm dich noch, du ungestümer Herbst!

Du wirst das Jahr wie immer nieder ringen.

Jedoch bevor du alle Blätter färbst,

sollst du noch ein paar warme Tage bringen.

 

Wenn ich mich zu dir setzen darfund du

noch Lichterkringel auf den Weiher wirfst,

mir süße Beeren pflückst und dann in Ruh

mit Kürbislippen Federweißen schlürfst,

 

will ich dich jedes Jahr mit Dank erwarten.

Die Mühe hat gelohnt in meinem Garten.

 

 

Elke Hübener-Lipkau

- geb. 1957 in Görlitz, Diplomsoziologin, seit 1984 im Potsdamer Kulturbereich tätig

- Beschäftigung mit Fotografie, Malerei, Grafik und Keramik; Ausstellungen in Brandenburg, Sachsen und Perugia (Italien)

- seit 2006 Mitglied im Literaturclub am Haus der Begegnung Potsdam

- seit 2007 Mitglied des LKB (2009-2011 Vorsitzende, seit 2013 Vorstandsmitglied)

- seit 2014 Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller, Landesverband Brandenburg

 

Veröffentlichungen:

- vier Lyrikbände (s. u.)

- Anthologie-Beteiligungen (SchriftZüge, Brandenbur-gisches Mosaik u. a.)

Buchveröffentlichungen (Lyrik)

 

"AUSZEIT - vorübergehend entschlossen" (2006), Thurneysser Verlag Berlin-Basel, 260 S., 12,80 Euro, ISBN 3-39176-16-8

 

"AUSSICHT - vorübergehend erschlossen" (2008), Thurneysser Verlag Berlin-Basel, 107 S., 9 Euro, ISBN 3-939176-60-5

 

"AUSBRUCH - vorübergehend beschlossen" (2012), docupoint Verlag Magdeburg,

116 S., 9 Euro, ISBN 978-3-86912-068-3

 

"AUSKUNFT - vorübergehend geschlossen" (2012), docupoint Verlag Magdeburg,

136 S., 9 Euro, ISBN 978-3-86912-067-6